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Konzept

Mit der Bahn von Marktplatz zu Marktplatz

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Das erfolgreiche "Karlsruher Modell" macht Schule. Seit 21.Juli 2001 verbinden auch in Heilbronn moderne Zweisystem-Stadtbahnen die Innenstadt mit der Region. Inzwischen wurde die Linie bis nach Hohenlohe verlängert, bis 2013 sollen weitere Stadtbahnen auf bestehenden Eisenbahnstrecken in alle Himmelsrichtungen fahren.

Wer mit den Stadtbahnlinie S4 der Karlsruher Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) nach Heilbronn kommt, erkennt seit 2001 die Stadt am Neckar kaum wieder. Es wurde viel gebaut und modernisiert, mit der Stadtbahn kam frischer Wind in die Stadt. Das sieht man bereits am neu gestalteten Bahnhofsvorplatz, wo die Stadtbahnen zum Ein- und Aussteigen unter einem großen, filigranen Glasdach halten.
"Wir haben schon einige Stadtbahnlinien gebaut, doch die Heilbronner Strecke ist zweifellos die schönste", lobte Dieter Ludwig, ehemaliger AVG-Chef und Erfinder des Systems Stadtbahn, die von Allee-Bäumen gesäumte Gleisverbindung in die Innenstadt. Kurz vor dem Heilbronner Hauptbahnhof verlassen die Stadtbahnzüge die Gleise der Deutschen Bahn AG (DB) und fahren auf einer neuen Straßenbahntrasse vorbei an Heilbronner Rathaus, Festhalle Harmonie, Finanzamt, Pfühlpark und seit Ende 2005 bis nach Öhringen. Damit gab es erstmals in der Geschichte beider Großstädte eine direkte Bahnverbindung von Marktplatz zu Marktplatz. Die Fahrzeit für die rund 70 Kilometer lange Strecke Heilbronn-Karlsruhe beträgt normalerweise 81 Minuten, im Sprinterzug rund eine Stunde.

Besseres Verkehrsangebot

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Stück für Stück haben sich die Karlsruher Zweisystem-Stadtbahnen in den 90er Jahren auf der Kraichgaubahn über Bretten und Eppingen nach Heilbronn vorgearbeitet. Die AVG hat die gesamte Strecke von der DB gepachtet, ausgebaut und elektrifiziert. Bereits im September 1999 kam die S4 regelmäßig in den Heilbronner Hauptbahnhof. Die Züge rollen von fünf Uhr morgens bis nach Mitternacht, am Wochenende sogar noch länger. Entlang der gesamten Stadtbahnlinie entstanden mehrere neue Haltepunkte mit erhöhten Bahnsteigen und modernen Fahrradabstellanlagen (Foto in HN-Böckingen). Der Busverkehr wurde neu geordnet und konsequent auf die Stadtbahn ausgerichtet.
So kehrte auch in Heilbronn nach beinahe 50 Jahren die 1955 als "unwirtschaftlich" abgeschaffte Straßenbahn wieder zurück in die Innenstadt. Doch dieses Mal nicht als altersschwache schwäbische "Spatzenschaukel", sondern als moderne Stadtbahn auf eigenem Gleiskörper.
Der neue, mit 750 Volt Gleichstrom betriebene City-Abschnitt beginnt in der Bahnhofstraße. In der Heilbronner Innenstadt sind die bis dahin nur im Busverkehr aktiven Stadtwerke Heilbronn verantwortlich, die Gleise befinden sich im Eigentum der Stadt. Der Betrieb wird im Auftrag der Stadtwerke weiterhin von der AVG durchgeführt.
Einzelne Fahrer der Stadtwerke Heilbronn sind als Stadtbahnlenker im Einsatz. Außerdem befinden sich bislang mehrere Stadtbahn-Fahrzeuge im Eigentum der Stadt. Sie wurden zur Hälfte durch das Land Baden-Württemberg mitfinanziert. Die Heilbronner Züge unterscheiden sich nicht von den anderen AVG-Bahnen, da sie aus Umlaufgründen im gesamten Netz unterwegs sind.

Weiter nach Hohenlohe

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Nachdem die Stadtbahn 2001 bis zur Haltestelle Harmonie fuhr, wurde von dort nach Osten in Richtung Pfühlpark weiter gebaut. Dort schwenkt die Stadtbahn seit Ende 2005 wieder auf die bestehende Bahntrasse Heilbronn-Öhringen(-Schwäbisch Hall) ein. Die zweigleisige Strecke verfügte bis zur Modernisierung noch über antiquarische Technik mit Formsignalen und handbetriebenen Bahnschranken. Sie musste auf rund 24 Kilometern Länge stadtbahntauglich ausgebaut und elektrifiziert werden, der Tunnel bei Weinsberg wurde aufwändig saniert und für die elektrische Oberleitung etwas tiefer gelegt.
Rund 380 Millionen Mark sollte die gesamte Linie S4 Eppingen-Heilbronn-Öhringen inklusive der benötigten Fahrzeuge ursprünglich einmal kosten, wobei das Projekt maßgeblich von Bund und Land gefördert wurde. Allerdings hat sich der Bau um Jahre verzögert, die Kosten sind explodiert. Gründe hierfür lesen Sie in der Rubrik Ausbau.

Vier Stadtbahnlinien auf einem 110 Kilometer langen Netz sollten ursprünglich bereits zum Jahr 2010 verkehren und schnelle Verbindungen in die City schaffen, nun ist die Rede von 2013. Die S1 und S2 sollen durch die Heilbronner Innenstadt und über eine weitere Neubaustrecke durch das Alte Industriegebiet nach Neckarsulm und weiter auf bestehenden Bahngleisen nach Bad Friedrichshall fahren, wo sie sich in Richtung Gundelsheim und Bad Rappenau verzweigen. Die künftige S3 soll zwischen Neckarsulm-Nord, Heilbronn, Lauffen und auf der heute noch stillgelegten Zabergäubahn bis Zaberfeld pendeln. Im Norden bleiben spätere Anschlüsse bis Sinsheim und Mosbach möglich. Damit wäre dann auch das gesamte noch bestehende Bahnnetz in der Region Heilbronn elektrifiziert.

Wiederbelebung alter Bahngleise

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Mit der Stadtbahn gab es zunächst auch wieder Perspektiven für einige stillgelegte oder schon abgebaute Bahnstrecken. Inzwischen ist die Verwirklichung von Projekten wie etwa der Unteren Kochertalbahn (Foto in Neuenstadt) aus finanziellen Gründen in weite Ferne gerückt.
Die Weiterführung von Öhringen über Waldenburg bis nach Künzelsau war ebenso angedacht wie der Wiederaufbau der früheren Bottwartal-Schmalspurbahn von Heilbronn nach Beilstein und Marbach. Außerdem besteht die Option, die nie ganz vollendete Zabergäubahn von Zaberfeld nach Westen in Richtung Bretten weiterzuführen.
Da die Stadtbahn auf weiten Strecken vorhandene Bahngleise nutzen soll, hängen die künftigen Betriebskosten maßgeblich von den Trassenpreisen von DB-Netz ab. Anders als bei der Kraichgaubahn will die DB keine weiteren Strecken aus der Hand geben. "Die Deutsche Bahn will künftig am Stadtbahngeschäft mitverdienen", sagte schon Dieter Ludwig. Und bei der Strecke Heilbronn-Öhringen tut sie es auch nach besten Kräften.
Allein die Benutzung von Haltepunkten und Bahnsteigen zwischen Heilbronn und Öhringen ist für die Kommunen ein Millionengrab. Die weitere Entwicklung wird daher massgeblich davon abhängen, ob die von unzähligen Fachleuten geforderte Ausgliederung des Bahnnetzes von der DB AG endlich verwirklicht wird, oder ob Schienen und Gleise an private Investoren verramscht werden. Dann wird sich die Region einen weiteren Ausbau der Stadtbahn nicht mehr leisten können...

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